Beratung
Energiegenossenschaften
Daten & Fakten

Projektentwicklung

Jacqueline Quaas
Projektentwicklerin für Energiegenossenschaften

Zertifikat
Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen
30. Januar 2013

Im Zinzendorfhaus Neudietendorf erhielten 20 Projektentwickler für Energiegenossenschaften nach viermonatiger Ausbildung ihre Zertifikate.

Neudietendorf. Wenn sich Thüringens Wirtschaftsminister, Matthias Machnig (SPD), ansagt, muss der Anlass von einiger Bedeutung sein. Sonst hätte er es nicht in den Terminkalender des umtriebigen Ministerialen geschafft. Insofern konnte man sich am Mittwoch bei der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland sicher sein, den richtigen Ton getroffen zu haben. Es ging um die allseits propagierte Energiewende. Kirche und Energiewende wie passt das denn zusammen? Nun, die Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen hat es sich seit 2010 zur Aufgabe gemacht, Projektentwickler für die Gründung von Energiegenossenschaften auszubilden. 20 solcher frischgebackenen Projektentwickler bekamen jetzt ihre Zertifikate überreicht. Stefan Große, Finanzdezernent der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, erinnerte daran, dass es kirchliches Umweltengagement schon in der DDR gab. Nun brauche es neue Impulse und eine Fortsetzung. Unter den Teilnehmern ist auch eine Japanerin

Der Lehrgang für Projektentwickler für Energiegenossenschaften - Start war am 17. September 2012 - fand bereits zum zweiten Male statt. Ziel nach erfolgreicher Ausbildung: die Gründung von Energiegenossenschaften voranbringen, bei der Ausarbeitung der Geschäftsidee, Ausgestaltung der Rechtsform, beim Erstellen eines Wirtschaftsplanes und bei der Finanzierung fachkundig beraten und unterstützen. Zielgruppen für die Projektberatung sind Kommunen, Bürger, Energieunternehmen freiberufliche Ingenieure, kirchliche und diakonische Einrichtungen.

600 Energiegenossenschaften gebe es in Deutschland aktuell, so Burghard Flieger von der Innova, einer Gesellschaft, die bundesweit Gründung und Aufbau von Selbsthilfegenossenschaften unterstützt, koordiniert und betreut. "Warum aber nicht 6000?", fragte Flieger in die Runde. Weil es an führenden Leuten fehle, die das Thema Energiegenossenschaften fachlich und emotional nach außen trügen. Die Beratungsinfrastruktur lasse zu wünschen übrig. Es brauche daher viel mehr Promotoren, die das Thema auf den Weg brächten.

"Die Energiewende ist das größte Projekt der Nachkriegsgeschichte", griff Thüringens Wirtschaftsminister zu gewohnt pathetischer Wortwahl. Es gehe nun darum, den Netzausbau voranzutreiben. 4500 Kilometer Kabel für die Übertragung, 192.000 für die Verteilung. Zudem brauche es Speicher für die Überkapazitäten. Und um bei der Energieeffizienz voranzukommen auch Gebäudesanierungen. Das sei die erste Herausforderung. Die zweite bestehe darin, die Bürger an der Energiewende zu beteiligen, Akzeptanz zu schaffen. Daher sei es gut, dass Spezialisten wie die Projektentwickler für Energiegenossenschaften ausgebildet würden. "Wir können zeigen, dass es auch anders geht, dass man mit intelligenten Lösungen wachsen und trotzdem Energie und Ressourcen sparen kann", sagte Machnig und bat die Japanerin Tomoko Tezuka, die an dem Lehrgang teilgenommen hatte, dies ihrer Regierung auszurichten.

Michael Keller / 31.01.13 / TA

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